PRTG wird zu teuer? 3 Optionen, bevor du wechselst
Die PRTG-Lizenzrechnung kommt und jemand im Team fragt: "Brauchen wir das wirklich alles?" Eine berechtigte Frage. PRTG ist ein gutes Tool, aber das Preismodell passt nicht zu jeder Umgebungsgröße. Hier sind 3 realistische Wege, damit umzugehen.
Warum die Rechnung jedes Jahr wehtut
PRTG rechnet nach Sensoren ab. Jeder Ping, jede CPU-Messung, jeder HTTP-Check ist ein Sensor. Eine kleine Umgebung mit 30 Servern und ein paar Switches hat schnell 500 Sensoren und die kosten aktuell 1.800 € pro Jahr. Bei 1.000 Sensoren sind es schon über 3.200 €.
Das Problem: Sensoren wachsen organisch. Jeder Admin fügt welche hinzu, kaum einer löscht welche. Nach 3 Jahren Betrieb hat eine 500-Sensor-Umgebung plötzlich 1.200 Sensoren und die nächste Lizenzstufe wird fällig. Nicht weil das Netzwerk gewachsen ist, sondern weil niemand aufgeräumt hat.
Dazu kommt: Seit Juli 2024 hat Paessler das Lizenzmodell komplett auf Abo mit 3-Jahres-Mindestlaufzeit umgestellt. Das alte Kaufmodell (einmalige Lizenz + jährliche Wartung) gibt es nicht mehr. Wer heute verlängert oder neu einsteigt, bindet sich bis mindestens 2029. Einzelne Bestandskunden berichten von deutlichen Kostensteigerungen gegenüber dem alten Wartungsmodell. Wer also über die Zukunft seines Monitoring-Stacks nachdenkt, sollte das vor der nächsten Vertragsverlängerung tun, nicht danach.
Vergleich: Zabbix ist Open Source und komplett kostenlos. Kein Sensor-Limit, keine Jahresgebühr, keine Vertragsbindung. Wer nur die Lizenzkosten betrachtet, sieht einen klaren Gewinner. Aber die Rechnung ist komplizierter, als sie auf den ersten Blick aussieht.
| Szenario | PRTG (jährlich) | Zabbix (jährlich) |
|---|---|---|
| 500 Sensoren / Items | 1.800 € | 0 € (Open Source) |
| 1.000 Sensoren / Items | 3.204 € | 0 € |
| 2.500 Sensoren / Items | 6.696 € | 0 € |
| 5.000 Sensoren / Items | 12.000 € | 0 € |
| Admin-Aufwand Setup | Gering (GUI-basiert) | Hoch (steile Lernkurve) |
| Admin-Aufwand Betrieb | Gering | Mittel |
Preise: Paessler EUR-Listenpreise (paessler.com/de/pricing, Stand April 2026), Monatspreise x 12. Beide Lösungen erfordern eigene Server-Infrastruktur (PRTG: Windows, Zabbix: Linux). Zabbix hat zusätzlich eine steilere Lernkurve.
Detaillierte Aufschlüsselung aller PRTG-Lizenzstufen, versteckter Kosten und Stellschrauben gibt es im Begleitartikel: PRTG Lizenzkosten 2026: was kostet PRTG wirklich.
Option 1: PRTG behalten, Kosten senken
Bevor du über einen Wechsel nachdenkst, eine ehrliche Frage: Wie viele deiner Sensoren brauchst du wirklich?
In Schulungen sehe ich regelmäßig Umgebungen, in denen ein erheblicher Anteil der Sensoren pausiert, dupliziert, veraltet oder schlicht überflüssig ist. Wer 1.200 Sensoren hat, braucht oft nur 800. Und 800 statt 1.200 Sensoren ist eine Lizenzstufe weniger.
Typische Einspar-Hebel
- Pausierte Sensoren löschen: Sensoren, die seit Monaten auf "Paused" stehen und deren Begründung "TBD" oder leer ist, werden nie wieder aktiviert. Löschen spart direkt Sensorbudget.
- Duplikate aufräumen: Durch Geräte-Umzüge oder IP-Änderungen entstehen oft Duplikate. Gleicher Server, 2 Device-Einträge, doppelte Sensoren.
- Auto-Discovery-Überschuss entfernen: PRTGs Auto-Discovery legt gerne mal 15 Sensoren pro Switch an, obwohl du nur 3 davon aktiv nutzt. Die ungenutzten 12 fressen trotzdem Lizenz.
- Alte Server-Einträge bereinigen: Der Windows Server 2012, der vor 2 Jahren abgebaut wurde, hat noch 8 Sensoren im System.
Konkret: Wenn du heute 1.200 Sensoren hast und durch einen systematischen Cleanup auf 900 kommst, sparst du die nächsthöhere Lizenzstufe. Das sind schnell 1.500-3.000 € pro Jahr. Bei einer 3-Jahres-Bindung summiert sich das auf 4.500-9.000 € über die Vertragslaufzeit.
Timing: Besonders wirkungsvoll ist ein Cleanup vor der nächsten Vertragsverlängerung. Einmal aufgeräumt, in der niedrigeren Stufe verlängert, 3 Jahre gespart.
Das deckt das PRTG-Audit ab
In 3-5 Tagen Remote-Arbeit analysiere ich deine Umgebung, finde die unnötigen Sensoren, räume die Quick Wins direkt auf und liefere einen priorisierten Maßnahmenkatalog. Festpreis, kein Stundenzettel.
Option 2: Hybrid-Betrieb mit Zabbix
Diese Option wird selten diskutiert, ist aber in der Praxis oft der pragmatischste Weg: PRTG für das Kern-Netzwerk behalten, Zabbix für den Rest.
Wie das funktioniert
Du identifizierst die Systeme, bei denen PRTG seinen Preis wert ist. Das sind typischerweise:
- Kritische Infrastruktur (Core-Switches, Firewalls, zentrale Server)
- Systeme mit komplexen SNMP-Konfigurationen, die du nicht neu bauen willst
- Alles, woran Custom Sensors hängen, die du über Jahre entwickelt hast
Alles andere, besonders standardisiertes Linux-Server-Monitoring, einfache Ping/HTTP-Checks und Außenstellen-Überwachung, lässt sich parallel in Zabbix betreiben. Zabbix kostet nichts, hat keine Sensor-Limits und für Standard-Monitoring-Aufgaben ist es genauso gut wie PRTG.
Der Haken
Du betreibst 2 Monitoring-Systeme. Das bedeutet:
- 2 Dashboards, 2 Alarm-Pipelines, 2 Systeme, die gewartet werden müssen
- Kein einheitliches Gesamtbild (es sei denn, du baust dir ein zentrales Dashboard, z.B. in Grafana, das beide Quellen zusammenführt)
- Doppelter Know-how-Bedarf im Team
Für Teams mit 2+ Admins und Grundkenntnissen in Linux kann das funktionieren. Für Ein-Mann-IT-Abteilungen ist der Overhead oft zu hoch.
Typisches Einspar-Potenzial
| Vorher (2.500er-Lizenz) | 6.696 €/Jahr |
| Nachher (1.000er-Lizenz, 800 Sensoren in Zabbix) | 3.204 €/Jahr |
Ersparnis: 3.492 € pro Jahr
Option 3: Komplett zu Zabbix migrieren
Die radikale Option. Kein PRTG mehr, alles in Zabbix. Lizenzkosten fallen auf 0 €. Klingt verlockend, hat aber einen Preis, den viele unterschätzen.
Was dafür spricht
- Keine Lizenzkosten, egal wie viele Hosts oder Items du überwachst
- Massiv skalierbar: Zabbix überwacht in manchen Installationen 100.000+ Items ohne Probleme
- Template-System: Einmal konfiguriert, auf hunderte Hosts ausrollbar
- Starke Community: Für jedes Standard-Szenario gibt es fertige Templates
- API ist mächtiger als bei PRTG (REST, gut dokumentiert, JSON)
Was dagegen spricht (und oft unterschätzt wird)
- Lernkurve: Zabbix ist deutlich komplexer als PRTG. Was in PRTG per Klick geht (Sensor hinzufügen), erfordert in Zabbix Template-Verständnis, Item-Konfiguration und Trigger-Logik. Für einen Admin, der PRTG gewohnt ist, sind 2-4 Wochen Einarbeitung realistisch.
- Custom Sensors migrieren: Wenn du in PRTG eigene EXE/Script-Sensoren hast, musst du die als Zabbix UserParameter oder External Check neu implementieren. 1:1-Migration gibt es nicht.
- Maps/Dashboards: PRTGs Maps lassen sich nicht exportieren. Du baust sie in Zabbix komplett neu.
- Benachrichtigungen: PRTGs Notification-System (mit Eskalation, Acknowledges, Schedules) muss in Zabbix über Actions, Operations und Media Types nachgebaut werden. Funktioniert, ist aber aufwendiger.
- Betrieb: Zabbix braucht eigene Server-Infrastruktur (Linux + PostgreSQL/MySQL). PRTG ist eine Windows-Applikation, die auf dem bestehenden Server mitläuft. Zabbix erfordert eigenes Sizing, Backups, Updates.
Realistische Kosten einer Vollmigration
Die Lizenz ist kostenlos, die Migration nicht. Ehrliche Kalkulation für eine 1.500-Sensor-Umgebung:
| Aufwand | Zeitschätzung |
|---|---|
| Zabbix-Server aufsetzen + härten | 1-2 Tage |
| Templates erstellen/anpassen | 3-5 Tage |
| Hosts + Items migrieren | 3-5 Tage |
| Custom Sensors nachbauen | 2-5 Tage (stark abhängig von der Menge) |
| Dashboards + Maps neu | 1-2 Tage |
| Alarmierung + Eskalation nachbauen | 1-2 Tage |
| Parallelbetrieb + Validierung | 2-4 Wochen |
| Gesamt | 3-6 Wochen (Admin-Arbeitszeit) |
| Tagessatz Externer Consultant | 1.400 € |
| Aufwand (je nach Komplexität) | 15-25 Arbeitstage |
| Einmalige Investition | 21.000-35.000 € |
| Amortisation bei 5.000 Sensoren (12.000 €/Jahr) | nach 2-3 Jahren |
| Amortisation bei 2.500 Sensoren (6.696 €/Jahr) | 4-5 Jahre (Hybrid-Ansatz lohnt eher) |
Wichtig: Diese Rechnung geht von konstanten PRTG-Kosten aus. In der Praxis steigen sie aus 2 Gründen fast immer: Erstens wachsen Sensoren organisch (neue Server, neue Services, neue Standorte). Wer heute 2.500 Sensoren hat, hat in 2 Jahren oft 3.500, die nächste Lizenzstufe wird fällig. Statt 6.696 € zahlt man dann plötzlich 12.000 €. Zweitens erhöht Paessler erfahrungsgemäß regelmäßig die Listenpreise. Beide Effekte zusammen sorgen dafür, dass sich die Amortisation einer Migration deutlich schneller einstellt als die statische Rechnung vermuten lässt.
Selbst gemacht (eigener Admin): Die Euro-Kosten sind niedriger, aber der Admin fehlt 3-6 Wochen für andere Aufgaben. Das muss man ehrlich einpreisen.
Welche Option passt?
| Situation | Empfehlung |
|---|---|
| Weniger als 1.000 Sensoren, PRTG funktioniert gut | Option 1 (aufräumen, Kosten senken) |
| Über 1.500 Sensoren, gemischte Kritikalität | Option 2 (Hybrid mit Zabbix für unkritische Teile) |
| Über 2.500 Sensoren, PRTG-Rechnung > 5.000 €/Jahr | Option 3 prüfen (Vollmigration kann sich lohnen) |
| Ein-Mann-IT ohne Linux-Erfahrung | Option 1 (Zabbix ist ohne Linux-Know-how schwer) |
| Team mit Linux-Admins, Budget-Druck | Option 2 oder 3 |
Häufige Fragen zu PRTG-Kosten
Was kostet PRTG pro Jahr?
Paessler EUR-Listenpreise 2026 (Abo, 3-Jahres-Mindestlaufzeit): 500 Sensoren kosten 1.800 €, 1.000 Sensoren 3.204 €, 2.500 Sensoren 6.696 €, 5.000 Sensoren 12.000 €. Unlimited-Varianten (PRTG XL1, Enterprise Monitor) liegen deutlich höher. Stand April 2026, Preise direkt auf paessler.com/de/pricing prüfen.
Gibt es eine kostenlose PRTG-Alternative?
Ja. Zabbix ist Open Source und hat keine Lizenzkosten, unabhängig davon, wie viele Hosts oder Items du überwachst. Du zahlst nur für die Server-Infrastruktur (Linux-Host) und den Setup- sowie Betriebsaufwand. Weitere Option ist Checkmk Raw (Open-Source-Variante). Unterschiede und welches Tool für welche Umgebung passt, siehe PRTG vs. Checkmk und PRTG-zu-Zabbix-Migration.
Kann ich PRTG-Kosten senken, ohne zu wechseln?
Fast immer. In Schulungen sehe ich regelmäßig Umgebungen, in denen 20-30 % der Sensoren pausiert, dupliziert oder veraltet sind. Wer 1.200 Sensoren auf 900 reduziert, spart eine Lizenzstufe, das sind 1.500-3.000 € pro Jahr. Systematischer Ansatz: PRTG-Sensoren aufräumen.
Wie lang ist die PRTG-Vertragsbindung?
Seit Juli 2024 nur noch Abo mit mindestens 3 Jahren Laufzeit. Das alte Kaufmodell (einmalige Lizenz + jährliche Wartung) gibt es nicht mehr. Wer heute verlängert, bindet sich bis mindestens 2029. Deshalb lohnt sich die Frage "aufräumen oder wechseln" vor der nächsten Verlängerung, nicht danach.
Was kostet eine Migration von PRTG zu Zabbix?
Die Zabbix-Lizenz ist kostenlos, die Migration nicht. Für eine 1.500-Sensor-Umgebung sind realistisch 3-6 Wochen Admin-Aufwand einzuplanen (interne Bindung oder externer Dienstleister). Dazu kommt die Lernkurve: Zabbix ist mächtiger, aber komplexer als PRTG. Die Gesamtrechnung kann sich ab etwa 2.500 Sensoren aufwärts lohnen, darunter ist Option 1 (aufräumen) fast immer wirtschaftlicher.
Ist Zabbix wirklich kostenlos?
Die Software ja, komplett Open Source ohne Sensor-Limit und ohne Vertragsbindung. Was kostet: die Server-Infrastruktur (Linux + DB + Web-Frontend), der Aufwand für Setup und Betrieb sowie optional kommerzieller Support direkt bei Zabbix SIA. Für produktive Mittelstands-Umgebungen würde ich grundsätzlich Support-Vertrag empfehlen. Alleine auf Community-Foren zu warten, wenn das Monitoring ausfällt, ist kein Betriebsmodell.
Der erste Schritt ist immer gleich
Egal welche Option: der erste Schritt ist ein ehrlicher Blick in die aktuelle PRTG-Installation. Wie viele Sensoren hast du wirklich? Wie viele davon sind Ballast? Wie viel Lizenz-Budget kannst du durch reines Aufräumen einsparen?
Erst wenn du diese Zahlen kennst, kannst du fundiert entscheiden, ob PRTG für eure Größe das richtige Tool bleibt oder ob sich ein Teil- oder Vollwechsel zu Zabbix rechnet.
Im nächsten Artikel gehe ich tiefer in die technische Seite einer PRTG-zu-Zabbix-Migration: was sich 1:1 überträgt, was komplett neu gebaut werden muss und wo die typischen Stolpersteine liegen.
Kostenloser Einstieg: Sensor-Inventur in 15 Minuten
Im Artikel "PRTG-Altlasten" findest du 4 Fragen, mit denen du in 15 Minuten den Pflegezustand deiner Umgebung einschätzen kannst. Und wenn du das systematisch angehen willst: das PRTG-Audit-Paket liefert dir den kompletten Überblick als Festpreis-Service.